Bundespreisträgerin Helen Buck glänzt mit Blockflöte und Cello

Eine quirlige 15-Jährige begrüßt mich im modernen Elternhaus in Bad Teinach-Zavelstein. Sie hat so gar nichts von verhuschtem Mädchen, als das man sich ein musikalisches Ausnahmetalent  gern vorstellt. Helen Gwyneth Buck hat mit der Blockflöte im Mai diesen Jahres beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert mit Höchstpunktzahl 25 einen ersten Preis geholt. Und auch beim Zweitinstrument Cello berechtigt sie zu einigen Hoffnungen.

Wie schon viele vor ihr hat auch Helen von der Begabten-Förderung der Sparkasse Pforzheim Calw an der Musikschule der Hesse-Stadt profitiert. Schon kurz vor ihrem fünften Geburtstag erhielt sie den ersten Blockflöten-Unterricht. Und in Beate Stahl-Erlenmaier fand sie genau die Lehrerin, die ein Gespühr für die angemesse Schwierigkeit der Stücke hatte. Helen machte rasch Fortschritte und begann 2012 zusätzlich Cello in der Streicherklasse des Hermann-Hesse-Gymnasiums zu spielen.

Und auch beim Cello ging’s „direkt bergauf“, schildert Helen Buck in ihrer mitreißenden Art die Anfänge. „Ich hab einfach gespürt, dass ich Cello spielen muss.“ Schon bald auch im Quartett von Musikschul-Lehrer David Raiser. Gleichwohl blieb die Flöte der Mittelpunkt, „einfach weil ich damit schon mit fünf Jahren angefangen habe und mehr Erfahrung habe“, erzählt Helen.

Die Wahl des Zweitinstruments ist übrigens ein drolliger Zufall. Weil nämlich beim Infotag die eingentlich ins Auge gefasste Bratsche schon „besetzt“ war, probierte Helen Buck kurzerhand das Cello aus und fing prompt Feuer. Auch wenn Mutter und Oma Bedenken hatten, ob ein zweites Instrument nicht zu viel sein könnte, setzte sich die Tochter durch.

Mutter Marion, Fachbereichsleiterin bei der Stadt Calw, und Vater Michael, der als Elektroingenieur arbeitet, haben Helens Begabung früh erkannt und gefördert. Mit 15 war Michael Buck als Schlagzeuger Mitglied im Landesjugend-Jazzorchester. Womöglich kommt daher Helens ausgeprägtes Rhythmus-Gefühl. Schon mit vier Jahren verfolgte sie stundenlang die Proben von Vaters Jazzband im Keller. Und wollte bald selbst ein Instrument erlernen.

„Ich versuche, jeden Tag Musik zu machen, das entspannt und macht mich glücklich. Beim Üben vergess ich die Zeit“, versichert sie mit leuchtenden Augen. Durch die Musik habe sie viele neue Freunde gefunden. „Viele verpassen das alles, weil sie Klassik ablehnen“, bedauert Helen Buck. Und wie geht sie an bevorstehende Wettbewerbe heran? „So ein Ziel sorgt einfach dafür, dass man sich anders mit Stücken befasst und mehr übt“, hat die ehrgeizige Gymnasiastin festgestellt. „Da hau ich dann richtig rein, weil ich Erfolg haben will.“

Das Preisträgerkonzet beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert in Lübeck emfindet die junge Musikerin als „Höhepunkt meines Lebens.“ 1500 Menschen im Saal, Liveübetragung im NDR. „Dabei wusste ich nach dem Vorspielen noch gar nicht, was ich für einen Preis habe“, erzählt Helen Buck mit leuchtenden Augen. Erst über’s Internet erfuhr sie vom Ersten Bundespreis und vor allem, dass sie auch fürs festliche Abschlusskonzert vorgesehen war. Auch wenn das Lampenfieber nicht ausblieb, kam ihr auch bei diesem Auftritt zugute, „dass ich auf der Bühne schon ein alter Hase bin“, meint die 15-Jährige lachend. Die nächsten Höhepunkte in Helen Bucks Musikerleben werden zwei Auftritte als Solistin mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester und den Calwer Aurelius Sängerknaben sein.

Um es nicht zu vergessen: Seit über zehn Jahren hat Helen Buck auch noch Ballett-Unterricht. Der vorsichtigen Frage, ob denn da noch Platz für Freunde sei, begegnet der fröhliche Teenager eher verwundert: „Natürlich treff ich mich auch mit Freunden; ich hock doch nicht den ganzen Tag hinter’m Cello.“ Privat hört sie neben Klassik gern alle Arten von Musik – „außer Sachen aus den Charts“.

Vor Klassenarbeiten – Helen besucht die elfte Klasse am Calwer Hermann-Hesse-Gymnasium – werden die Übezeiten natürlich reduziert. Im Frühjahr 2020 wird Abitur gemacht und dann soll ein Musikstudium folgen. „Flöte, Cello, Schwerpunkt alte Musik“ hat Helen schon heute klare Vorstellungen. An der Hochschule Karlsruhe hat sie bereits Unterricht und ist auf dem besten Weg zur Vorstudentin. „Und später möchte ich dann Professorin werden. Aber das ist halt nicht leicht“, ist sich die zielstrebige Musikerin im Klaren.