Frage 5

Sparkasse: Wie hat dein Leben ausgesehen, bevor du Kwitt-Bote wurdest?

Chris: Ja, so viel anders sieht mein Leben tatsächlich seither auch nicht aus. Ich bin kein Mega-Star, ich habe einige Privilegien, die ich genießen darf. Dafür bin ich sehr dankbar. Das kann aber auch morgen oder nächstes Jahr schon wieder vorbei sein. Als Kwitt-Bote war ich für die Sparkassen viel unterwegs und habe damit auch ein bisschen Geld verdienen können. Aber meinen Leben besteht nach wie vor aus harter Arbeit. Ich bin selbständig und betreibe ein Fitnessstudio. Vor der Zeit als Kwitt-Bote und auch noch währenddessen habe ich deutlich mehr gearbeitet als jetzt. Ich hatte einen Vollzeitjob als Key-Account-Manager und betrieb nebenbei einen Tattoo- und Streetwear-Shop (Anfang 2018 verkauft). Da kamen nicht selten 60-70 Stunden pro Woche heraus. Erst Anfang diesen Jahres mit der Übernahme meines Fitnessstudios habe ich den Schritt gewagt und meinen Job an den „Nagel“ gehängt, um mich voll auf mein Studio und die Arbeit vor der Kamera zu konzentrieren. Zusätzlich zur Arbeit für die Sparkasse wurde ich Teil der neuen Besetzung von „Horror Tattoos“ (ausgestrahlt auf Sixx und Pro7). Auch hier bin ich sehr dankbar für die Chance. Aktuell warten wir auf die Freigabe für eine weitere Staffel.

Frage 6

Sparkasse: Könnte man mit dem Job als Kwitt-Bote (zumindest eine Zeit lang) sein Leben bestreiten? Wie bestreitest du zusätzlich deinen Lebensunterhalt?

Chris: Hmmm, sagen wir mal so, ich hätte die letzten zwei Jahre damit meinen Lebensunterhalt bestreiten können. Nicht mega-gut, aber ich hätte es doch durchaus machen können. Aber ich bin der Meinung, dass ich mich glücklich schätzen kann, mit diesem Job nicht meinen Lebensunterhalt bestreiten zu müssen. Ich bin da ja auch so reingerutscht, ich habe es nie gewollt oder auf Biegen und Brechen versucht. Ich bin darüber auch sehr froh. Ich stelle mir immer die Situation vor: Ich habe jetzt 2-3 Monate kein Casting gehabt und muss unbedingt mal wieder einen Job kriegen. Ansonsten wird es nachher irgendwann mit der Miete knapp oder so… und dann fährt man zu den Castings und ist vom Kopf so: „Ich muss das Ding kriegen, ich muss das Ding kriegen…. Dann ist man im Kopf nicht frei und kann nicht frei handeln. Ich glaube, dass das ein großer Vorteil für mich ist, wenn ich zu Castings fahre. Denn ich kann klar sagen, ja ich freu mich, wenn es klappt und wenn es nicht klappt, dann war halt ein Anderer besser. Dann habe ich halt nichts verloren. Meinen Lebensunterhalt bestreite ich ganz normal. Wie in der Frage vorher schon erwähnt, bin ich selbständig und habe ein Fitnessstudio. Sehr klein und familiär. Ich mache dort Trainings- und Ernährungspläne, alles was man so macht, wenn man so ein Fitnessstudio betreibt. Tatsächlich auch mal die Toiletten putzen. Das ist mein Job. Ich mache teilweise noch deutschlandweit Trainings- und Ernährungs-Coachings für eine Akademie. Das heißt, da habe ich auch noch ein Standbein im Ernährungsbereich. Ich schreibe also Ernährungspläne, mache Online-Coachings bzw. Coachings vor Ort.

Frage 7

Sparkasse: Was tust du, damit dein Körper in Form bleibt?

Chris: Ja, trainieren und mich einigermaßen vernünftig ernähren. In stressigen Wochen habe ich sechs Trainingseinheiten und wenn ich ein bisschen mehr Zeit habe, dann habe ich in der Regel 12 Einheiten, also zwei am Tag. Bestehend aus Krafttraining und Cardiotraining. Dann time ich mein Essen so, je nachdem was der Spiegel so sagt, ob ich mich wohlfühle oder nicht so wohlfühle. Das war dieses Jahr ein bisschen schwieriger in Form zu bleiben, weil ich halt unglaublich viel unterwegs war, und da ist halt manchmal 2-3 Tage kein Training. Da muss man dann gucken, wo man wie, was zu essen bekommt. Viele denken, wenn Sie mir zwei Brötchen und ein paar Kekse hinstellen, dann passt das so, wie ein Otto-Normalmensch, aber das passt leider nicht ganz. Das ist aber auch gar nichts Schlimmes. Darauf bin ich immer vorbereitet. Ich habe da immer was zum Essen dabei. Also jede Menge Training und Ernährung gehört schon dazu, ansonsten läuft man halt nicht mehr lange so rum, wie ich es jetzt tue.

Frage 8

Sparkasse: Du wirkst in der Werbung oder bei deinen Auftritten als Kwitt-Bote schon etwas rüde. Manche mögen dich in dem Spot vielleicht sogar als bedrohlich erachten. Wie bedrohlich bist du wirklich? Wie ist der echte Chris?

Chris: Im echten Leben bin ich nicht so bedrohlich. Ich bin halt groß, hab `ne Glatze, bin voll tätowiert, bin jetzt auch nicht der Schmalste. Da kann man auf der Straße schon mal mit dem Klischee ein bisschen spielen. Das ist manchmal ganz witzig, aber im echten Leben bin ich weder rüde, noch brutal, noch sonst irgendwas. Ich bin eigentlich eine sehr umgängliche Person.

Frage 9

Sparkasse: Und dann die abschließende Frage: Nachdem die Kampagne wirklich zwei Jahre lang richtig erfolgreich gelaufen ist, ging es für dich auch auf einer anderen Schiene weiter?

Chris: Im Grunde hatte ich gedacht, das wird ein ganz cooler Werbespot und gut. Dann folgten Anfragen über Anfragen für Events wie den Sparkassen-Award, Vertriebstagungen, verkaufsoffene Sonntage wie der in Pforzheim uvm. Anfang 2018 dachte ich: Cool, war eine tolle Erfahrung… Doch es ging weiter. Es folgte die zweite Kampagne bei Instagram und sogar noch mehr Auftritte als 2017. Diesen Erfolg hätte ich 2016 bei Dreh des Spots nie erwartet. Dazu kam eine kleinere Kampagne für die Prinzenrolle und natürlich Horror-Tattoos. Beides war keine direkte Folge der Sparkassen-Kampagne. Die Prinzenrolle lief über ein Casting und bei Horror-Tattoos brachte mich Tätowierer Alexander Kroll ins Spiel. Wie es weitergeht? Das lasse ich einfach auf mich zukommen. Ich würde mich über ein drittes Jahr mit einer dritten Kwitt-Kampagne und weiteren Einladungen – bei ein paar Sparkassen war ich ja noch nicht (lach) – freuen. Ein Traum wäre natürlich eine Rolle in einem Film oder einer Serie, vielleicht liest ja bei Netflix jemand dieses Interview (lach). Ich wurde mal gefragt, ob ich jetzt der TechNick der Sparkasse wäre, also dieser Saturn-Mitarbeiter aus deren Werbung. Ich hätte nichts dagegen, es ist auch finanziell nicht uninteressant. Aber wenn es dann irgendwann Anfang bzw. Mitte des nächsten Jahres (2019) ein Ende findet, dann ist es auch okay. Dann kann ich auf eine tolle Zeit zurückblicken.

Sparkasse: Vielen Dank, lieber Chris, für das spannende Interview.

Wer den ersten Teil des Interviews verpasst hat oder nochmal lesen möchte, findet ihn hier.