Herbsten – der Höhepunkt des Weinanbaus

Der Weinbau ist reich an speziellen Handgriffen, Werkzeugen und Traditionen, die es so in anderen landwirtschaftlichen Bereichen nicht oder nicht mehr gibt. Eine solche Tradition ist das so genannte “Herbsten” für die Weinlese. Doch das Herbsten ist nicht einfach nur ein anderer Begriff für die Weinlese, sondern eine richtige, gesellschaftliche Tradition. “ Es ist für den Winzer der Höhepunkt des Jahres” , so Melanie Frank, Geschäftsführerin des Weingutes Kelternwein aus Keltern und selbst Bewirtschafterin einiger Weinkulturen in Dietlingen. Und tatsächlich entscheidet sich erst beim Herbsten, ob sich für den Winzer das Jahr gelohnt hat oder nicht.

Morgenstund hat Gold im Mund

Das Herbsten beginnt am Tag der Weinlese früh morgens mit der Zusammenkunft der so genannten Lesemannschaft am Weinberg. Die besteht üblicherweise aus Winzer und dessen Familie, Verwandten, Freunden. Ein hochemotionales Familientreffen am Weinberg also, bei mitunter frischen Herbsttemperaturen und egal bei welchem Wetter. Nach einem kernigen Frühstück bekommen die Weinleser Rebschere und Eimer in die Hand gedrückt und beginnen mit der eigentlichen Weinlese. Ein Weinstock ist immer gleich aufgebaut: Am oberen Teil ist das Laub der Weinrebe aufgehängt, während die “ Trauben” am unteren Teil des Stocks hängen. Als Traube bezeichnet man übrigens nicht die einzelne Beere, wie üblicherweise oft verwechselt wird, sondern das gesamte Beerengebilde. Botanisch gesehen ist aber auch das nicht ganz richtig, denn diese Traube ist eigentlich eine Rispe. Bei der Lese geht es vor allem um die Weintrauben, daher werden die vollständigen Rispen abgeschnitten und gesammelt. Pro Rebreihe arbeiten zwei Weinleser, die dann –und jetzt beginnt der soziale Teil des Herbstens – während der Ernte miteinander ratschen und klatschen. “Wir sagen dazu immer: Unten wird geschnitten und oben wird geschwatzt’, so Melanie Frank lachend. Und damit die Unterhaltung auch wirklich gut funktioniert, teilen sich üblicherweise zwei Weinleser eine Rebreihe und gehen diese mit gleichem Tempo durch. Winzer legen großen Wert darauf, dass das Herbsten eine sehr soziale Angelegenheit ist. In den ein bis eineinhalb Stunden, die ein Team für eine Rebreihe üblicherweise braucht, wird viel getratscht. Und dann organisieren sich für die nächste Rebreihe die Teams wieder um, denn man will ja auch erfahren, was anderswo so passiert! Sind die Eimer voll, werden die geernteten Trauben vom Büttenträger eingesammelt. Dieser läuft durch die Rebreihen, bringt die gesammelten Trauben zum Transportfahrzeug und schließlich zur Abgabestelle. Doch vor der Abfahrt trifft sich die Lesemannschaft nochmals vor der gesammelten Ernte. Ein, zwei Bierbänke werden aufgestellt und für alle gibt es ein kräftiges Vesper.

Wie viel Grad Oechsle?

Danach beginnt der zweite Teil des Herbstens, den der Winzer meist allein bestreitet, nämlich die Abgabe der Ernte. Dabei wird Gewicht und Zuckergehalt durch den so genannten Oechslegrad” festgestellt. Das ist für die Winzer ein wiederum sehr emotionaler Vorgang. Wer hat mehr geerntet und wessen Ernte ist süßer? Des Winzers Ehre steht hier auf dem Spiel, auch wenn letztlich die gesamte Ernte einer Weinlese in eine Bütte kommt. Je mehr Zucker und damit Oechslegrade“ in den Trauben stecken, desto gehaltvoller kann der später daraus entstehende Wein werden. Der Zucker verwandelt sich durch Gärung in Alkohol. Geherbstet wird meist mehrmals pro Saison, je nachdem, wie viele unterschiedliche Weinsorten angebaut werden und wie sich die Fruchtstände im Laufe des Sommers entwickelt haben. Gelesen wird dann pro Region in der Regel sortenweise, um die Annahme der gesammelten Weintrauben geordnet zu ermöglichen. So kommen pro Saison durchaus sieben bis zehn Termine zusammen. Daher stammen die Begriffe wie „ Spätlese“ oder „Eiswein“ . Bei diesen Prädikaten erfolgt die Lese sehr spät, um eine besonders starke Konzentrierung des Zuckers in der Traube zu erreichen. Da hier die Lesezeit möglichst genau getroffen werden muss und die Ausbeute verhältnismäßig gering ist, sind solche Prädikatsweine begehrt.


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Eine Publikation der Sparkasse Pforzheim Calw.