Was macht ein Krankenpfleger, wenn er von seiner Schicht nach Hause kommt? Tristan Krieg schreibt. Der gebürtige Pforzheimer arbeitet in der Notaufnahme des Siloah-Klinikums. In seinem Debüt „Pforzheim. Die Goldstadt“ verwandelt er vertraute Orte in geheimnisvolle Schauplätze voller Rätsel und übernatürlicher Ereignisse. Am 5. Dezember liest er erstmals live im TurmQuartier Pforzheim aus seinem Buch. Im Interview spricht er über kreative Tiefpunkte, seine tiefe Verbindung zu Pforzheim und den Weg zur ersten veröffentlichten Novelle.

Tristan, viele junge Menschen träumen davon, ein eigenes Buch zu schreiben. Wann wurde aus dieser Idee bei dir ein echtes Projekt und wie lange hat es gedauert, bis „Die Goldstadt“ fertig war?

Ein richtiges Projekt wurde es tatsächlich mit meiner ersten Veröffentlichung in Papierform. Das nahm letztes Jahr richtig Gestalt an. Vorher habe ich zwar schon lange für mich selbst geschrieben, aber ein Projekt mit dem Ziel, es zu veröffentlichen, wurde es erst dann. Geschrieben habe ich daran ungefähr ein Dreivierteljahr.

Woher kommt deine Schreibleidenschaft – hat sich die erst entwickelt, oder hattest du schon als Kind eine blühende Fantasie?

Malen oder andere kreative Dinge haben mir nie so gelegen. Aber eigene Geschichten zu schreiben und mystische Welten zu erschaffen, das war schon immer meins – auch wenn es eine eher einsame Tätigkeit ist. Angefangen hat es in der Grundschule mit Liebesbriefen und Tagebüchern, dem Klassiker.

Gab es beim Schreiben Momente, in denen du dachtest: „Ich schaffe das nicht“?

Ja, absolut. Das kennt wohl jede schreibende Person. Man ist mal ideenlos, hat Blockaden oder fragt sich, ob und wann man die Geschichte überhaupt vollenden soll. Besonders viel Disziplin habe ich ab der Mitte gebraucht, als klar werden musste, wie sich die Charaktere weiterentwickeln. Und dann noch einmal ganz zum Schluss, bevor ich das Buch aus der Hand geben musste.

Wer hat dein Manuskript zuerst gelesen?

Meine Frau – ihr gilt auch mein Vorwort im Buch und sie war in der Hinsicht meine größte Supporterin.

Du bist mit Pforzheim eng verbunden – was bedeutet dir die Stadt persönlich?

Ich bin hier aufgewachsen und habe viele prägende Momente erlebt. Mit zwölf Jahren habe ich auf dem Spielplatz meine Frau kennengelernt. Diese Verbundenheit wollte ich auch in meiner Novelle einfließen lassen. Um die Geschichte möglichst nahbar zu machen, habe ich Orte aufgegriffen, die für mich schon als Kind etwas Geheimnisvolles hatten – wie die alte Papierfabrik in Dillweißenstein.

Was hat es mit dem Sparkassenturm als Schauplatz auf sich?

Der Sparkassenturm ist eines der bekanntesten Gebäude Pforzheims, quasi ein Wahrzeichen der Stadt. Deshalb war für mich klar, dass sich dort etwas abspielen muss. Erst einmal nur wegen des Gebäudes selbst, ganz ohne Wertung gegenüber der Sparkasse. Tatsächlich war ich erst nach der Veröffentlichung meines Buches zum ersten Mal persönlich dort.

Der Titel „Pforzheim. Die Goldstadt“ klingt vertraut, aber zugleich wirkt das Buchcover geheimnisvoll. Was erwartet die Leserinnen und Leser, ohne zu viel zu verraten?

Mein Protagonist Jan arbeitet als Sicherheitsfachkraft im Sparkassenturm und ist tief in Pforzheim verwurzelt. Doch dann geraten die Dinge aus den Fugen: Seltsame Begegnungen, übernatürliche Ereignisse und ein altes Geheimnis stellen alles infrage, was er über seine Heimat zu wissen glaubte.  Ich nenne das Buch selbst gerne einen „Mystik-Thriller“: Man erwartet zunächst einen klassischen Krimi und merkt erst nach und nach, dass viel mehr dahintersteckt.

Pforzheim ist als Goldstadt bekannt – im Buch spielen Schmuckstücke eine wichtige Rolle. Wie entstand diese Idee?

Die Kernidee der Schmuckstücke geht auf meine Mutter zurück. Sie ist Goldschmiedin, und diese Verbindung zur Schmuckkunst wollte ich unbedingt im Buch aufgreifen.

Du liest am 05.12.2026 im TurmQuartier Pforzheim aus deinem Buch vor. Wie fühlt sich das an?

Sehr besonders. Ich stehe live vor Menschen und bin ihren direkten Reaktionen ausgesetzt – das ist etwas ganz anderes, als alleine am Schreibtisch zu sitzen. Deshalb freue ich mich sehr darauf und bin dankbar für die Möglichkeit.

Was können Besucherinnen und Besucher bei deiner Lesung erwarten – liest du nur Passagen, oder gibst du auch Einblicke in die Entstehungsgeschichte?

Es wird auf jeden Fall interaktiv: Ich lese nicht nur Passagen vor, sondern binde das Publikum mit ein. Es gibt Dialoge, eine Signierstunde und auch ein paar Requisiten. Außerdem gebe ich Einblicke in die Entstehung. Zum Beispiel, wie meine medizinischen Erfahrungen aus der Notaufnahme in die Geschichte eingeflossen sind. Und ich gebe einen kurzen Ausblick auf mein neues Projekt: einen Roman über die ehemalige TBC-Klinik in Schömberg, angesiedelt in den 1950er-Jahren – mit einem Bezug zur „Goldstadt“ und zu einem bekannten Charakter.

Du hast das Buch im Selfpublishing veröffentlicht – wie geht man da vor, und wie viel Arbeit steckt dahinter?

Lektorat, Gestaltung, Marketing: Für dieses Buch habe ich noch nicht viel externe Hilfe in Anspruch genommen, auch aus Budgetgründen. Beispielsweise habe ich das Cover mit KI-Unterstützung erstellt. Das hatte aber auch den Vorteil, dass ich alles so machen konnte, wie ich wollte.

Und zum Schluss: Welchen Tipp würdest du jungen Leuten geben, die selbst kreativ schreiben wollen?

Sich nicht zu sehr an Regeln und Handwerk zu klammern. Ein beliebiges Thema, eine Ortschaft oder einen Schauplatz nehmen, zu dem man eine Verbindung hat, und einfach drauflosschreiben. Gerade diese ersten, unbekümmerten Seiten strahlen oft eine Echtheit aus, zu der man später erst wieder zurückfinden muss. Und bei einer Schreibblockade nicht aufgeben, sondern dranbleiben und sich die nötigen Pausen gönnen. Kreativität entsteht nicht unter Druck.

Vielen Dank für das Interview!

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