Interview mit Stephan Scholl Teil 1

IMG_0025… Eines der zentralen Ziele der Ausbildung ist demnach, junge Menschen so auszubilden, dass sie möglichst flexibel sind und ihnen unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens geboten werden. Den Unterschied zwischen eigenen und externen Bewerbern bei Stellenbesetzungen sieht er wie folgt: „Wir machen die Erfahrung, dass nicht alles, was von Extern kommt auch besser ist. Da wird auch nur mit Wasser gekocht“. Dies macht er beispielsweise an Präsentationen in Vorstandssitzungen fest, die von eigenen Azubis übernommen werden. „Teilweise sind die Vorträge wirklich hochkarätig. Mit dem Pfund wuchern unsere Mitarbeiter natürlich später, wenn es um Bewerbungsverfahren geht“.

Natürlich hat uns auch interessiert, welche Kenntnisse und Fertigkeiten ein Bewerber nach Meinung unseres Vorstandsvorsitzenden mitbringen muss, um bei der Sparkasse Pforzheim Calw aufgenommen zu werden und bis zum Ende der Ausbildung auch erlangt haben soll. Herr Direktor Scholl hebt das erlangte Fachwissen aus dem Geschäft und der Berufsschule besonders hervor, jedoch sind ihm soziale Kompetenzen ebenfalls sehr wichtig: „Es muss jemand sein, der teamfähig ist, mit Kreativität an Problemlösungen rangeht, der kundenorientiert, freundlich und engagiert ist. Wenn Sie morgens pünktlich zum Arbeitsbeginn kommen, abends sehr pünktlich gehen und danach Freizeit genießen, dann wird es mit der Karriere naturgemäß ein bisschen schwer. Man muss also ein bisschen zusätzlich investieren.“ Daher ist ihm Weiterbildung wichtig, aber er spricht auch das Lesen einer Zeitung sowie die Ausübung eines Ehrenamts an. „Je mehr Sie wissen aus Ihrer direkten Umgebung, desto selbstbewusster und souveräner treten Sie auch im Kundengespräch auf“, so Scholl.

Daneben bietet die Sparkasse ihren Auszubildenden ein Seminar an, in dem alle gemeinsam Essen gehen und die richtigen Tischmanieren praktisch geübt werden. Dem Vorstandsvorsitzenden ist dieser Punkt besonders von Bedeutung: „Das hat ja mit der Ausbildung direkt nichts zu tun. Aber in einer Veranstaltung kann ich mich dann auch um anderes kümmern und mit dem Kunden über alle möglichen Themen philosophieren, denn ich weiß, dass ich beim Essen keine Probleme habe“. Generell appelliert er an die Motivation aller Mitarbeiter. „Wenn Sie wollen, dann bekommen wir alles hin! Und wenn jemand Probleme hat, dann sind wir immer bereit, sie mit ihm zu lösen was die Ausbildung betrifft“, hebt Scholl hervor.

Der zweite Themenbereich unseres Interviews betraf die Aufgaben eines Vorstands. Teil der täglichen Arbeit ist demnach die Wahrnehmung von Kompetenzen, etwa im Bereich von Kreditbeschlüssen. Zudem wird die grundlegende Geschäftspolitik der Sparkasse im Vorstand beschlossen, etwa die Festlegung von Zinsen, Preisen und Filialstandorten. „Wir beschäftigen uns auch mit verschiedenen Produkten. Was bieten wir an? Wem bieten wir was an?“, sagt Scholl ergänzend.

Bestimmte Entscheidungen nehmen ihren Weg bis hoch zum Vorstand, dieser holt die Meinung von Spezialisten aus den jeweiligen Fachbereichen ein, entscheidet dann und im Anschluss geht es wieder in die einzelnen Abteilungen herunter, die betroffen sind. Somit werden die Beschlüsse danach umgesetzt. Was mich persönlich erstaunt hat, war die Tatsache, dass unser Vorstand bei allen Beschlüssen so lange diskutiert, bis eine einstimmige Entscheidung getroffen werden kann. „Wir beschließen immer einstimmig!“, betont Scholl. Darüber hinaus stimmen sich die Vorstandsmitglieder untereinander ab, wer zu welchen Terminen geht. Er hebt daneben hervor: „Wir kommen auch menschlich miteinander gut aus. Wir reden unglaublich viel miteinander und sind sehr nah beieinander. Das ist ganz entscheidend, wie in jedem Team. Ein Team muss funktionieren!“.

Nina und ich haben uns im Vorfeld auch die Frage gestellt, ob Herr Direktor Scholl als Vorstandsvorsitzender überhaupt noch Kundenkontakt hat. „Es nimmt in meiner Aufgabenstellung etwas ab. Ich habe relativ viel Begegnungen mit Menschen auf der politischen Ebene und nehme gesellschaftliche Termine wahr, etwa beim Tanzturnier. Trotzdem habe ich aber immer noch regelmäßig Kundentermine. Zudem versuche auch viel bei den Unternehmen draußen zu sein, fahre hin und schaue mir das an. Ich mache das gern. Man erfährt unglaublich viel, kann viel zuhören, viel lernen und das dann auch anderweitig wieder verwenden“, antwortet Scholl. Ihm ist wichtig „neugierig – unglaublich neugierig“ zu sein. Außerdem hebt er hervor, dass „Fragen, wenn man etwas nicht weiß“ sehr wichtig ist, gerade für junge Auszubildende.

Vertrauen ist nach der Meinung unseres Vorstandsvorsitzenden der zentrale Punkt im Umgang mit Kunden und Kollegen: „Ich würde Sie nie anlügen. Das erwarte ich auch von unseren Kollegen – machen Sie das auch nicht! Wir müssen immer ehrlich miteinander umgehen. Und so gehen wir auch mit dem Kunden um. Wir verhalten uns vernünftig. Das ist der Dreh- und Angelpunkt. So wie man in den Wald hineinruft, so schallt es raus“.

Bei einer Geldanlage kann auch mal etwas schief gehen, „aber ich sage dem Kunden vorher: Hören Sie zu, wenn Sie Chancen haben, dann haben Sie auch ein Risiko. Wenn es ein Risiko ist, dann tragen wir das gemeinsam“, erzählt Scholl. Weiterhin betont er: „Ich kaufe fast alle Produkte selbst, die wir als Sparkasse anbieten. Ich kann jedem Kunden sagen: Oh, ja, schlecht gelaufen – ich bin auch dabei. Es ist immer wichtig zu wissen, welches Risiko der Kunde verkraftet“.

Ein weiterer Themenbereich unseres Interviews mit Herrn Direktor Scholl war sein persönlicher Werdegang. Hatte er beispielsweise von Anfang an das Ziel, Vorstandsvorsitzender zu werden? Wie fing seine Karriere an? „Ich habe Bankkaufmann bei der Deutschen Bank gelernt, Mitte der 70er-Jahre nach meinem Abitur und dann studiert. Anschließend bin ich zum Sparkassenverband gegangen, war einige Jahre lang Verbandsprüfer und machte dort das Verbandsprüferexamen. Über eine kleinere Sparkasse bin ich seit Anfang der 90er-Jahre hier. Zunächst als Leiter des Vorstandssekretariats, seit 1995 im Vorstand“, so Scholl. Zuständig war Herr Direktor Scholl bis 2012 für das Kreditgeschäft, bevor er dann zum Vorstandsvorsitzenden gewählt worden ist.

„Es war nicht mein zentrales Berufsziel. Ich wollte im Bankbereich bleiben, weil mir das einfach gut gefallen hat und habe gesagt, ich möchte Karriere machen und Gas geben“, erklärt Scholl. Dennoch spielt auch das berühmte Quäntchen Glück eine Rolle: „Ab einer gewissen Karrierestufe muss ein bisschen Glück dazu kommen, also zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein“. Wichtig ist ihm, Nina und mir mitzugeben, dass man seinen Standpunkt darlegen können muss, etwa bei einem Vortrag mit Publikum und dabei viel Übung hilft. „Wenn man im Verein in der Freizeit etwas präsentiert, dann fällt es einem in der Sparkasse auch leichter. Sie müssen ja Ihre Meinung vertreten, Sie müssen gemeinsam ein Ziel erreichen“, begründet Scholl seine These.

Auf die spannende Frage, wie ein typischer Tag des Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Pforzheim Calw aussieht, antwortete er: „Es gibt keinen typischen Tag! Die Welt verändert sich sehr dramatisch, denken Sie an die ganze Bankenaufsicht, die EU und die Euro-Geschichten“. Herr Direktor Scholl verdeutlichte uns, dass es keine direkte Planbarkeit gibt, sondern sein Tag eine gewisse Struktur hat. Seine Assistentin organisiert alles, sodass er weiß, wo er wann sein muss. „Um dieses Gerüst ranken sich die normalen Tätigkeiten“, erzählt er. „In den Zwischenräumen kümmere ich mich um meine Akten und Unterlagen. Ich habe sicher jeden Tag anderthalb laufende Meter davon. Sachen, die ich mit unterschreiben muss, die ich mit entscheiden muss. Manches entscheide ich auch allein, ich habe ja auch eigene Kompetenzen“.

Darüber hinaus hat unser Vorstandsvorsitzender viele Termine außer Haus und vertritt die Sparkasse Pforzheim Calw auch in regionalen Gremien. Ohne das Team dahinter würde nichts funktionieren: „Es gibt keine Möglichkeit, etwas alleine zu machen. Man muss sich auf die Menschen verlassen können! Die müssen einen selber kennen und natürlich auch die Philosophie der Sparkasse“. Weiter betont er: „Wir leben auch in großen Teamsituationen und haben eine unglaublich große Zahl von hoch engagierten Leuten, die im Endeffekt wollen, dass die Sparkasse vorankommt. Das ist unser gemeinsames Ziel – die Sparkasse muss Erfolg haben“.

Deshalb hat Herr Direktor Scholl folgendes Motto: „Wenn es der Sparkasse gut geht, geht es uns gut“. Dieses begründet er wie folgt: „Es wird nie eine Situation sein, in der es dem Vorstand gut geht und den Mitarbeitern nicht. Das haben wir auch noch nie gemacht und würden wir auch nie manchen. Da sind wir uns einig. Entweder wir haben gemeinsam Erfolg – oder wir haben gemeinsam Misserfolg“. Weiterhin weist er auf die gute Zusammenarbeit mit dem Personalrat des Unternehmens hin, also den Mitarbeitervertretern der Sparkasse Pforzheim Calw.

Als letzten Punkt wollten Nina und ich natürlich wissen, wie es unserem Vorstandsvorsitzenden gelingt, neben dem Beruf auch noch abzuschalten. „Vollständig schaltest Du nicht ab. Ich bin immer erreichbar, wobei ich allerdings auch in bestimmten Situationen das Handy ausmache“, so Scholl. Seine SMS prüft er mindestens einmal am Tag. Außerdem besucht er privat ab und zu Fußballspiele des FC Nöttingen oder schaut sich Basketballspiele der Grünen Sterne aus Keltern an. „Ich gehe auch mal ins CCP zu einem Konzert oder so, mache selbst ein bisschen Sport und gucke Fernsehen“, erklärt er uns im Interview. Obwohl der Beruf natürlich dominiert, bemüht sich Herr Scholl eine Balance mit dem Privatleben zu finden. Abschließend erklärt er aber mit einem Augenzwinkern: „Ich kann nie sagen, dass ich nach fünf Stunden Heim gehe und dann überhaupt nicht mehr an die Sparkasse denke. In manchen Situationen, z.B. im KSC Stadion, denke ich aber auch neunzig Minuten überhaupt nicht an die Sparkasse“.


Hier geht’s zum zweiten Teil…

Eine Publikation der Sparkasse Pforzheim Calw.